Mein Artikel-Archiv

In meinem Artikel-Archiv finden Sie einige Wortschätze von mir zu weiteren interessantenThemen:

 

Das Hansemuseum Lübeck: Ein neues Juwel für die Königin der Hanse

Lübeck ist seit dem 27. Mai 2015 um eine Attraktion reicher und kann sich mit einer neu erbauten und kostspieligen Kostbarkeit schmücken: dem Europäischen Hansemuseum.

Damit habe die Hansestadt „ein neues Juwel, das Geschichte erlebbar macht“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch während ihrer Eröffnungsrede im Europäischen Hansemuseum vor zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland.

„Die Hanse hat die europäische Geschichte maßgebend mitbestimmt und kann auch ein Vorbild für die Europäische Union sein. Wir können in der EU an zentrale Erfahrungen der Hanse anknüpfen, zum Beispiel an die, dass wir gemeinsam stärker sind und mehr für alle erreichen als allein “, so die Kanzlerin weiter.

Nach elf Jahren Vorbereitung und nach dreijähriger Bauzeit ist das Europäische Hansemuseum endlich vollendet und wurde feierlich mit einem symbolischen Schlüssel aus süßem Marzipan an die geschäftsführende Direktorin des Hansemuseums, Dr. Lisa Kosok, überreicht.

Mit rund 50 Millionen Euro hat das Prachtstück mehr als doppelt so viel gekostet wie ursprünglich geplant. Die Kostenexplosion begründete Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stifung damit, das zum einen ein sehr schwieriger Baugrund vorgelegen habe und zum anderen immer wieder auch konzeptionelle Änderungen auftauchten und mit in die Umsetzung integriert wurden.

„Ich bin zufrieden, glücklich und überaus dankbar. Es passiert nicht alle Tage, dass eine Stadt ein solches Geschenk bekommt“, freute sich Bürgermeister Bernd Saxe. Bedanken kann er sich bei der Possehl-Stiftung, die mit 40 Millionen Euro den größten Teil der Kosten übernommen hat. Denn ohne die Stiftung hätte sich Lübeck das Museum niemals leisten können, gibt er zu.

Was verbirgt sich nun hinter diesem kolossalen Bauwerk?

Mit einem gläsernen Fahrstuhl fährt der Besucher hinab in die tiefen Grabungsstätten und begibt sich auf eine Zeitreise zurück ins Mittelalter. Wahlweise in vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Schwedisch oder Russisch, erfährt man alles über die facettenreiche Geschichte der Hanse. Sie handelt vom Wagemut und Aufstieg der Hansekaufleute, von Reichtum und Macht. Doch auch Rückschläge wie Pest, Misserfolg und Kampf werden anschaulich vermittelt.

Schlüsselereignisse der Hansegeschichte in Nowgorod, Brügge, Bergen, London und aus Lübeck wurden szenisch dargestellt. Die Besucher erleben beim Rundgang durch die Ausstellung wie es sich damals zugetragen haben könnte. „Alle rekonstruierten Szenen basieren auf dem gegenwärtigen Forschungsstand und wurden mit großem Aufwand historisch so getreu wie möglich nachgebildet“, erklärt Dr. Lisa Kosok. So sind die Stoffe, die in der nachgebauten Tuchhalle von Brügge gehandelt werden, nach historischen Vorbildern extra für das Museum gewebt worden.

Zudem wird in der Ausstellung das Leben und Arbeiten der Hansekaufleute mit zahlreichen wertvollen Originalobjekten, seltenen Dokumenten, Gemälden und Sammlungsstücken eindrucksvoll dargestellt. Zu den Besonderheiten gehören unter anderem Gold- und Silbermünzen aus dem Lübecker Münzschatz, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts in der Hansestadt vergraben waren.

Interaktive Medienstationen und Informationsgrafiken ermöglichen es den Besuchern, wirtschaftliche Zusammenhänge, Reiserouten und das Alltagsgeschehen zur Zeit der Hanse ausführlich zu ergründen.

Die Architektur des Museumsneubaus setzt mit einer Mischung aus handwerklich feinsten Backsteinmaterialien und eleganter Moderne ein markantes Zeichen in das „Lübsche“ Stadtbild. „Fassaden sollen Geschichten erzählen“, meint Architekt und Museumsplaner Andreas Heller. Dafür wurden rund 100.000 spezielle Backsteine, eigens in Dänemark gebrannt, für dieses Gebäude verbaut.

„Ein neuer Fixstern am Kulturhimmel Schleswig-Holsteins“, so nennt Ministerpräsident Torsten Albig das Europäische Hansemuseum. „Ich freue mich sehr, dieses wunderschöne Museum endlich offen zu sehen. Hier wird die reiche Geschichte der Hanse erstmals in ihren vielen Facetten für ein breites Publikum dargestellt“.

Die breite Öffentlichkeit hat ab 30.05.2015 Gelegenheit, sich im Europäischen Hansemuseum  in frühere Zeiten entführen zu lassen und in die Welt der Hanse einzutauchen.

 Hier weitere Informationen zu Öffnungszeiten und Preisen
des Europäischen Hansemuseums

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Rund 600 Stunden Arbeit für knapp 60 Minuten Film

Projekt Film AB! Folge 11:

„Und bitte, Film AB!“ – die Darsteller gehen in Position – die beschriftete Regieklappe fällt – die Kamera läuft. Gedreht wird an einer ruhig gelegenen, mit blühenden Bäumen umgebenen Bushaltestelle in Lübeck. Sonnige und idyllische Aufnahmebedingungen in der heutigen Zeit für die letzte Drehszene im Film  „Schatten der Vergangenheit“.

Die letzte wird später als erste Filmszene im Film AB!-Projekt Folge 11 zu sehen sein und die zynische und unverblümte Wahrheit über die denkwürdigen Entwicklungen in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Geplant war diese Aufnahme im Drehbuch vorher nicht. Doch das reale Leben führt eben eine eigene Regie und so wurde passend zur Story die aktuelle Diskussion über die Zuwanderung von Flüchtlingen in Deutschland spontan mit in den Film integriert.

Schatten der Vergangenheit  wirft ein trübes Licht  auf die Gegenwart

Der Film „Schatten der Vergangenheit“ handelt von einem Geschwisterpaar, das ein Manuskript ihres verstorbenen Großvaters auf dem Dachboden findet. Die Geschichte des Großvaters beginnt im Sommer 1932 in Lübeck. Er und seine ebenfalls politisch engagierten Freunde sind unzufrieden mit der Situation in Deutschland: den 1. Weltkrieg verloren, die Inflation, das drohende Ausbreiten des Nationalsozialismus sind Gründe dafür. Sie beschließen eine Widerstandsgruppe zu gründen und führen ihre Aktionen durch. Doch als im Jahr 1933 die Umstände immer unerträglicher werden, wird es auch für sie gefährlich  und so nimmt die Geschichte ihren verhängnisvollen Lauf. Der Film greift die Anfänge des Antisemitismus auf und spielt auf zwei Ebenen mit Rückblenden in die Vergangenheit sowie mit der Situation in der Gegenwart.

Ein Blick hinter die Filmkulissen

Großgemusterte Ornamente auf der Tapete, eingerahmte Schwarz-Weiß-Fotos an der Wand, eine nostalgische Tretnähmaschine in der Ecke, eine alte Schreibmaschine und ein Schachspiel auf dem dunkelbraunen Holztisch – das nachgebaute Wohnzimmer aus den 1930-er Jahren ist bestückt mit vielen Original-Requisiten und vermittelt eine authentische Atmosphäre aus dieser Zeit. Als Drehort für die Innenaufnahmen zum Film AB!-Projekt  Folge 11 wurde eigens dafür ein Schulraum umgebaut.

Das gesamte Filmbudget ist mit 4.000,–  Euro knapp kalkuliert. Sämtliche Requisiten müssen davon bezahlt werden. Und in diesem Fall war es oftmals nicht so einfach, die Ausstattung passend zu den 30-er Jahren zu beschaffen.  Egal ob Kostüme, Möbel, Leihautos, Kutter, oder was sonst noch für eine Filmproduktion anfällt und benötigt wird. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob die Story in der Gegenwart oder in der Vergangenheit handelt und dadurch die Beschaffung von geeigneten Utensilien eventuell kostenintensiver ausfällt.

Szenenwechsel –  Was  steckt hinter dem Filmprojekt?

 Der Diplompädagoge Patrick Schwedler entwickelte im Jahr 2009 ein Konzept für das Projekt Film AB!, das vom Jobcenter Lübeck finanziert und vom Verein In Via Lübeck e. V. durchgeführt wird. Gemeinsam mit dem erfahrenen, 47-jährigen Filmemacher Kai Kinnert leitet er bereits zum 11. Mal das gemeinnützige Filmprojekt in Lübeck.

Die  Arbeitsgelegenheit-Maßnahme (AGH) vom Jobcenter Lübeck richtet sich an Arbeitsuchende, junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Innerhalb von sechs Monaten lernen die TeilnehmerInnen die theoretischen und praktischen Grundlagen einer kinoreifen Filmproduktion kennen. „Es geht darum, dass die jungen Menschen die Arbeit von der Ideenentwicklung bis zur gesamten Produktionsphase eigenständig durchführen und dabei lernen Kompromisse zu schließen und im Team zu arbeiten“, sagt der 40-jährige Patrick Schwedler. Am Ende entsteht ein Produkt von dem sie sagen können: “Das ist unser Film. Das haben wir geschafft!“

Rückblende – März 2015

 In einer Informationsveranstaltung vom Jobcenter Lübeck und in anschließenden Einzelgesprächen haben sich Anfang März 2015 insgesamt 16 TeilnehmerInnen für das Projekt Film AB! Folge 11 zusammengefunden. Vom Hauptschüler bis zum Abiturienten kann jeder mitmachen der die Voraussetzungen erfüllt. Spezielle Kenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Nur das Interesse, sich auf Neues einzulassen, sollte vorhanden sein. Auch absolute Laien haben so die Möglichkeit, in ein anderes Gebiet hinein zu schnuppern und ihre Fähigkeiten auszutesten.

Doch bevor die Bilder in der Realität laufen lernen ist Grundwissen angesagt. In den ersten 2 bis 3 Wochen nach Kursbeginn wird zunächst im theoretischen Unterricht das nötige Rüstzeug für die spätere, praktische Filmarbeit vermittelt. 

Vorspann – Jeder Anfang beginnt mit einer Idee

Beim Brainstorming gehen die Beteiligten auf Ideensuche und Themenfindung. Aus allen Vorschlägen wird dann eine Filmstory ausgewählt – vorausgesetzt, sie lässt sich mit den verfügbaren Mitteln und Möglichkeiten umsetzen. Alle TeilnehmerInnen dürfen im Vorfeld ihre Interessen äußern, auf welchen Gebieten sie im Projekt ihren Schwerpunkt legen möchten.

Diese sind in drei Bereiche aufgeteilt:

  1. Technische Leitung (u. a. Kamera, Ton, Licht, Kulissenbau, Make-up, Requisite)
  2. Organisation (u. a. Produktionsleitung, Aufnahmeleitung,
    Location-Scouting/Drehortauswahl) und
  3. Kreativer Bereich (u. a. Drehbuch, Schauspiel, Artwork/Design).

Dann geht es an die Recherche: Zeitungen, Zeitschriften, Bibliotheken, Bücher und das Internet werden durchforstet, Zeitzeugen befragt und gegebenenfalls nach weiteren Quellen gesucht. Nachdem das Drehbuch geschrieben ist und die Rollen sowie Aufgaben verteilt sind, geht es praktisch los!

…and Action –  Aus der Praxis für die Praxis

Professionelle Unterstützung bekamen diesmal alle Film Ab!-Mitwirkenden von den Gastschauspielern Hartmut Lange, Marc Zwinz und Gerhard Olschewski. Mit Tipps und Tricks  aus der Praxis versorgten sie die wissbegierigen Jungdarsteller rund um das Thema Film und Schauspiel. Für die letzte Filmdrehszene an der Bushaltestelle sagte spontan Will Workman vom Theater Lübeck zu.  Alle Schauspieler stellten ihr Wissen und Können ohne Gage zur Verfügung und stehen auch nach Ende des Kurses den TeilnehmerInnen bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

Ein Highlight im praktischen Teil war der mehrwöchige Schauspielunterricht, durchgeführt von Hartmut Lange, der vielen KursteilnehmerInnen sicherlich markant und prägnant in Erinnerung bleiben wird.

Wenn die Klappe klappt und klappt und klappt…

Spontanität, Flexibilität und Ausdauer werden von jedem Mitwirkenden vorausgesetzt. Denn für eine einzige Szene mit einer Länge von 40 Sekunden werden durchaus 4 Drehstunden und mehr benötigt – und das nur, wenn alles rund und reibungslos abläuft.

Ähnlich wie bei einer gedrückten Repeat-Taste wird jede Szene mehrfach zur Absicherung, und aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder abgedreht und wiederholt. Das erfordert von allen Beteiligten Geduld und höchste Konzentration, denn die Abläufe müssen bei jeder Einstellung immer gleich sein. Sicherlich nichts für ungeduldige Nervenbündel oder hektische Wirbelwinde, die bei den etlichen Wiederholungen schon längst „Und bitte, jetzt reicht’s!“ gerufen hätten.

Showdown – Die elektronische Schnitzeljagd beginnt

Wenn alle Szenen abgedreht und „im Kasten“ sind, setzen anschließend die beiden Kursleiter in akribischem Feintuning die Bild- und Tonschnitte wie bei einem Puzzlespiel passgenau zusammen. „Alles muss synchron laufen, denn kleine Ungereimtheiten würden die Zuschauer sofort merken“, erklärt Kai Kinnert. Kein Wunder, dass letztendlich ein 58-Minuten-Film alles in allem rund 600 Arbeitsstunden in Anspruch nimmt. Allein 150 Stunden beinhalten davon die Dreharbeiten.

Wieviel Arbeit hinter so einem Filmprojekt steckt, bekommt der außenstehende Laie im Endeffekt gar nicht mit. Auch nicht die Pleiten, Pech und Pannen, die drei Tage vor der Film-Premiere passieren können, wenn die gesamte Festplatte mit dem kompletten Filmmaterial kaputt geht. Fast wie in Emergency Room  konnten dank einer Notfallsoftware die Daten wieder rekonstruiert werden: Datenoperation gelungen – Film gerettet – Happy End geglückt!

Spotlight on: O-Töne von Teilnehmern

Timo wollte gern im kreativen Bereich arbeiten und übernahm, wie alle anderen Mitwirkenden auch, gleich mehrere Aufgaben und eine Hauptrolle bei diesem Film AB!-Projekt. „Mir hat der Schauspielunterricht sehr viel gebracht und mir mehr Selbstbewusstsein vermittelt“, sagt er rückblickend. Der 22-jährige Lübecker war bei Folge 11 das erste Mal dabei und weil es ihm so viel Spaß gemacht hat, wird es mit ihm noch eine Fortsetzung in Folge 12 geben.

Die Teilnehmerin Valentina führte u. a. Regie und spielte im Film die Rolle eines jüdischen Mädchens. „ Ich bin nicht mehr so introvertiert, gehe mehr aus mir heraus und traue mir mehr zu. Der Kurs hat mir sehr dabei geholfen“, erzählt die 18-jährige Lübeckerin, die jetzt ihr Abitur nachholen wird.

Für Nataly war es bereits das zweite Mal, dass sie am Film AB!-Projekt teilnahm. Ihr gefiel es im ersten Kurs so gut, dass sie eine weitere Verlängerung beim Jobcenter Lübeck  beantragte. In dieser Folge war die 20-jährige Lübeckerin u. a.  für Kamera und Produktionsleitung zuständig und übernahm ebenfalls eine darstellende Rolle im Film. „Ich habe sehr viel über technische Dinge gelernt, die ich in meinem bevorstehenden Studium weiter anwenden und vertiefen kann“, freut sie sich.

Die Kernaussage ist bei allen TeilnehmerInnen gleich: Hier ist jeder auf den anderen angewiesen und nur gemeinsam im Team ist man stark. Es kommt auf gegenseitige Rücksichtnahme, Zuverlässigkeit und Kompromissfähigkeit an. Alle haben viel mitbekommen und für sich persönlich aus dem Projekt Film AB! viel mitgenommen.

Der Countdown läuft – Ein roter Teppich zur Film-Premiere

Am Mittwochabend, 26.08.2015, um 20.00 Uhr war es endlich soweit! Rund 225 Zuschauer strömten über den ausgerollten, roten Teppich in das ausverkaufte Filmhaus Lübeck, um die Film-Premiere zum Projekt Film AB! Folge 11 „Schatten der Vergangenheit“ live mitzuerleben.

Nach dem 58-minütigen Hauptfilm folgte ein 31-minütiges Making-of mit Blicken hinter die Drehkulissen und persönlichen Eindrücken der Mitwirkenden des Film Ab!-Projekts.
Tilo Strauß moderierte den Abend und ließ anschließend auf der Bühne einige KursteilnehmerInnen sowie Joachim Tag, Geschäftsführer vom Jobscenter Lübeck, und Claudia Berndt, Geschäftsführerin  vom Verein In Via e. V., zu Wort kommen.

Gegen 22.30 Uhr verließen begeisterte und auch nachdenklich gewordene Zuschauer das Filmhaus in der Königsstraße in Lübeck. Denn das eigentlich zu den Geschichtsakten gelegt geglaubte Thema aus der Vergangenheit, ist durch die aktuellen Vorkommnisse bei uns in Deutschland leider gegenwärtiger und greifbarer denn je geworden.

Auch wenn es das Film AB!-Projekt Folge 11 wohl nicht bis auf die ganz großen Filmleinwände schaffen wird, sondern konserviert für die Ewigkeit in Form von 500 gepressten DVDs zurückbleibt, so war die Leistung aller Beteiligten ganz großes Kino für Lübeck. Applaus und Standing Ovations! Wir sind schon sehr gespannt auf die nächste Produktion von Folge 12, die im September 2015 beginnen wird. „Und bitte.“ Film AB!

Abspann – Film AB! Produktion Folge 11

Darsteller und Mitwirkende:

Timo Heinki, Nataly Baginski, Simon Grünwald, Bienvenue Hoffmann, Tillmann Arnsberg, Valentina Antenozio, Chris Reimers, Alexandra Husser, Patrick Redmann, Alexander Beyer,
Volkan Akar, Polina Spitler, Robin Schweitzer, Maurice Dardaillon, Daniel Siggel

Gastschauspieler:

Hartmut Lange, Marc Zwinz, Gerhard Olschewski, Will Workman

Kurs- und Filmleitung:

Patrick Schwedler, Kai Kinnert

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Coypright© Gudrun Krüger

Frauen sprayen ihre Haare - Männer ihre Graffiti

„Under the Bridge“: Die 1. legale Sprühfläche in Lübeck

 Es ist trüb und trist am 19. September 2015 in der Hansestadt Lübeck. Genauso grau wie dieser Samstagnachmittag sehen gegen 13.00 Uhr auch die Betonwände unter der Marienbrücke an der Willy-Brandt-Allee aus. Noch. Denn das sollte sich bis 18.00 Uhr bald ändern.

Ein beißender Geruch von frischer Farbe liegt in der Luft. Manche mögen den intensiven Sprayduft, andere tragen lieber Mund- und Nasenschutzmasken. Sie skizzieren, sprühen und spritzen nach eigenem Gusto ihre Bilder, Schriftzüge oder Zeichen an die noch trostlos anmutenden Brückenwände. Eine ganze Schar vorwiegend Jugendlicher ist mittlerweile emsig dabei, das individuelle Graffito an den fünf Betonflächen zu kreieren. Keine Nacht-und-Nebel-Aktion, sondern ganz legal am helllichten Tag.

Die Akzeptanz und Definition von Graffiti ist sehr unterschiedlich geprägt.  Aus dem Italienischen frei übersetzt bedeutet Graffiti so viel wie schreiben, zeichnen, ritzen.
Insbesondere die nicht genehmigten Graffiti werden in der öffentlichen Wahrnehmung meist als Form des Vandalismus betrachtet. Von anderer Seite sind Graffiti als Form der Kunst anerkannt.

Vielleicht deshalb wollte hier niemand so gern mit vollständigem Namen genannt werden. Wahrscheinlich wird das Image von Graffiti-Sprayern immer noch eng mit illegalen Sprühaktivitäten verbunden, was aber hier unter der Marienbrücke in Lübeck nicht der Fall ist. Denn diese fünf Betonwände wurden offiziell an diesem Wochenende von der Hansestadt Lübeck, Fachabteilung Brückenbau, zum Besprühen für die Allgemeinheit freigegeben.

Zwei Köpfe, ein Gedanke

Der 19-jährige Felix aus Lübeck sprüht für sein Leben gern Graffiti. Vor allem auf großen Flächen. Er weiß aus der Insider-Szene, dass Brücken bevorzugt dazu genutzt werden.
Doch illegales Sprayen kommt für ihn nicht in Frage. Im Gegensatz zu anderen Städten gab es in Lübeck bislang keine legalen Freiflächen zum Besprühen. Deshalb wandte er sich im vergangenen Jahr mit seiner Anfrage an die Hansestadt Lübeck.

Dieses Anliegen kam Dieter Schmedt, Fachabteilung Brückenbau der Hansestadt Lübeck, wie gerufen. Er war schon lange auf der Suche nach geeigneten Maßnahmen, um das unerlaubte Besprühen von Gebäuden und Flächen – und somit auch die hohen Kosten für die anschließende Reinigung – einzudämmen oder zu verhindern. Ungenutzte Freiflächen sinnvoll zu nutzen und mit Graffiti zu verschönern gibt es seiner Meinung nach in Lübeck noch genug. Und so kam die Idee ins Rollen, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis nun das erste Graffiti-Projekt an diesem Wochenende unter der Marienbrücke in die Sprüh-Tat umgesetzt wurde.

Bunte Bilder auf Beton

Die Graffiti-Szene scheint nach wie vor eine Männerdomäne zu sein. Nur wenige Mädels griffen an diesem Samstag beherzt zur Farbspray- statt zur Haarspraydose. Wie so oft bestätigen Ausnahmen die Regel, auch was das Alter angeht. Das Durchschnittsalter der Anwesenden lag geschätzt bei Anfang bis Mitte zwanzig Jahren. Doch auch ein erfahrener, 42-jähriger Sprüh-Guru und dreifacher Vater aus Hamburg wollte sich hier an dieser Brückenwand mit seiner Graffiti-Kunst verewigen. Ob es von langer Dauer sein wird, sei dahingestellt. Denn es ist jedem anderen Sprayer erlaubt, ein bereits vorhandenes Graffito auf dieser freigegebenen Fläche zu übersprühen.

Zumindest die Entstehungsdauer eines Graffiti-Werkes erfolgt im Turbo-Tempo. Während ein Künstler mit einem Öl-auf-Leinwand-Gemälde oft Tage, Wochen oder gar Monate beschäftigt sein kann, entstehen diese Outdoor-Bildnisse innerhalb von ein paar Stunden bzw. einem Tag.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und wie dem auch sei: Letztendlich geht es darum, dem Einfallsreichtum mit der Farbendose just-for-fun freien Lauf zu lassen. Vielleicht dient es auch zur Prävention, wenn auf legalen Flächen kreativ zur Spraydose statt einfallslos zur Bierdose gegriffen wird und dadurch andere Objekte der Begierde von einer unfreiwilligen Farbattacke verschont bleiben.

Unverwechselbares Umstyling

Und so verwandelte sich an diesem Wochenende die Marienbrücke an der Willy-Brandt-Allee mit einem vormals mausgrauen Anblick zu einem farbenprächtigen Antlitz. Viele bunte Bilder auf Beton sind nun entweder einzeln oder als Gesamtkunstwerk zu betrachten und zu bestaunen. Mit dazu beigetragen hatte auch ein Profi-Sprayer aus Berlin, der vor Ort einen Graffiti-Workshop, in Kooperation mit dem Jugendzentrum Burgtor der Hansestadt Lübeck, leitete.

Zu guter Letzt wurde von den Spray-Künstlern noch ein Beweisfoto als Trophäe vom eigenen, fertiggestellten Graffito festgehalten. Und weiter geht es für die Sprüh-Freaks
zur nächsten legalen, grauen Betonwand, die bald irgendwo in einer anderen Stadt ein farbenfrohes Graffiti-Gesicht bekommt. Vielleicht auch demnächst wieder in der Hansestadt Lübeck.

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Feuerengel mit Teufelsshow in der MuK

Sprühende Funken, grelles Blitzgewitter, lodernde Flammen, brennende Mikrofone, aufsteigende Rauchsäulen –  Silvester wurde noch nicht verpasst, sondern die 1997 gegründete Rammstein-Tribute-Band  Feuerengel. Mit einer bombastischen Höllenshow  setzte  die  sechsköpfige Teufelstruppe  am Samstagabend, 20.12.14, ein Statement auf Erden und brachte die MuK (Musik- und Kongresshalle) in Lübeck zum Beben und das Marzipan zum Wackeln.

Die Vorgruppe Ragnaröek  gab sich im Vorfeld alle Mühe, mit ihrem Mittelalterrock die Stimmung  im Publikum einzuheizen, doch der Funke wollte nicht so recht überspringen und ein loderndes Feuer entfachen.

Und so hieß es für die zahlreichen Anhänger kurz nach 21.00 Uhr „Feuer frei“ und „Bäng-Bäng“, um mit den Feuerengeln ins Rammstein-Universum zu schweben und auf diesem Trip zu erleben, wie das „Herz brennt“ und die „Sonne“ aufgeht. Hier zeigte sich, dass diese Beats nichts für orgelerprobte Ohren waren und die Ohrstöpsel mussten einmal mehr unter Beweis stellen, wieviel Dezibel sie aushielten.

Während jetzt zur vorweihnachtlichen Zeit auf irdischen Gefilden brav und züchtig in himmlischen Klängen „Ihr Kinderlein kommet“ gesungen wird, frohlockten im Gegenzug die Feuerengel  mit düsterer Stimme „Wo sind die Kinder?“.

Die scharfzüngigen Texte sind nichts für zartbesaitete Himmelsgeschöpfe, denn hier wurde nicht mit Engelszungen, sondern mit Satansstimme gesungen. Während die Teufelsbuben aus vollem Hals  „Heiland, du bist hier in meinem Land“ grölten, konnten die Engelchen im Himmel wahrscheinlich vor Schreck nur noch ein hauchdünnes Halleluja zustande bringen. Da hilft in dem Fall sicherlich auch kein „Vom Himmel hoch da komm ich her“.

Auch die gigantischen „Flammen zur Hölle“ endeten letztendlich in purer „Asche zu Staub“, als der Teufelsritt mit den Feuerengeln durchs Rammstein-Universum in der Musik- und Kongresshalle gegen 23.00 Uhr auf Erden zu Ende ging.

Wer nicht bis Silvester auf ein sprühendes Feuerwerk, qualmende Rauchschwaden und brennende Säulen warten will, der hat in diesem Jahr noch am 27.12.14  in Rostock die Gelegenheit, die Feuerengel  live zu erleben.

In diesem Sinne: „Komm mit mir“ und nochmals  „Feuer frei“!

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MHL Crime Revue: Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett

Musikhochschule Lübeck Crime Revue 2015:

Am Samstagabend, 4. Juli 2015, wurden rund 400 Besucher in der ausverkauften Musikhochschule in Lübeck (MHL) Augenzeugen einer atemberaubenden Verfolgungsjagd. Im Großen Saal spielten sich gegen 20.00 Uhr temporeiche Krimi-Szenen ab, als das musikalische Machtspiel zwischen Gut und Böse begann.

Dabei fing alles ganz harmlos an: Noch ahnungslos liest die Mimi einen Krimi im Bett als plötzlich Mister Goldfinger seine garstigen Gangsterfinger auf der Bühne ausstreckt und mit seinem Golden Eye  sieben attraktive Bond-Girls für seinen teuflischen Plan magisch in seinen Bann zieht. I Want It All, And I Want It Now –  die ganze Welt sollte endlich nur ihm gehören! Der überdimensionale, leuchtend rote Alarmknopf am Ort des Geschehens signalisiert den Ernst der Lage.

For Your Eyes Only  liegen ihm für sein hässliches Vorhaben die schönen Ladies zu Füßen und würden alles für diesen unwiderstehlichen Schurken tun. Selbstlos nehmen sie in Kauf, für ihn im Gefängnis auszuharren. Mit den Waffen einer Frau versuchen die entwaffnenden Femmes fatales den Wächter raffiniert um den Finger zu wickeln. Und dazu ist ihnen jedes verführerische Mittel recht. Denn auch ein harmlos anmutendes Tänzchen kann so seine Tücken haben und durchaus gefährlich werden. Einmal beim Kriminaltango nicht ganz aufgepasst hat sich der Aufpasser von einer betörenden Beauty blenden lassen und sich dabei schnurstracks die Schulter verknackst.

Ein klarer Fall für einen charismatischen Mann. Sein Name: Bond, James Bond. In gewohnt professioneller Manier hat er die Lizenz zum Töten,  um uns vor dem Bösen auf diesem Planeten zu beschützen. Da der virtuelle Kampf zwischen analoger und digitaler Welt diesmal besonders heikel und brisant ist, bekommt Mister 007  für seine schwierige Mission weltweit Unterstützung von erfahrenen Ermittlern:

Zu Hilfe eilt aus Frankreich Inspector Clauseau, der wie ein rosaroter Panther mit seinem Vergrößerungsglas auf Erkundungstour umherschleicht und alles genau unter die Lupe nimmt. Aus Großbritannien reist keine Geringere als Miss Marple  an, die zur eindeutigen Erkennung eines Tätermusters vorsichtshalber ihr Strickzeug mitbringt und flink eine eigene Version des Geschehens strickt.

Aus den USA gibt es gleich demonstrative Doppel-Verstärkung in Gestalt vom Hawaii-Hemd tragenden Detective Magnum, der allerdings seinen roten Ferrari vor der Tür stehen lassen musste und der exzentrischen NCIS-Forensikerin Abby, die nie ohne ihre eigenwilligen Zöpfe an die Nachforschungen geht. Getreu dem Motto: Everybody Needs Somebody  kommen sie gemeinsam mit gebündelter Hirnzellenkraft dem Bösen auf die Spur. Denn alle verfolgen sie nur ein Ziel: Live And Let Die.

 Unerwartete Mithilfe bekommt Mr. Bond  von der verschmähten Geliebten des Bösewichtes. „Ich bin gerührt“, entfährt es dem charmanten Agenten. „Und ich geschüttelt“, säuselt die dahingeschmolzene Tiffany und denkt: Er ist der Spion, der mich liebt!

Obendrein schwimmt eine Leiche im Teich. Keiner weiß woher sie kommt. Keiner hat etwas gesehen. Niemand kennt denTatort.  Es muss ein durchtriebener Krimineller, ein Smooth Criminal, gewesen sein – ein Skyfall  war es auf keinen Fall. Sollten Derrick oder gar Edgar Wallace  in die Ermittlungen mit einbezogen werden?  Denn am Ende will doch jeder nur sagen: Alles klar, Herr Kommissar!

Und so nimmt die schweißtreibende Verbrecherjagd durch ein musikalisches Krimi-Medley innerhalb von zweieinhalb Stunden seinen Lauf, bis auch wir alle in Lübeck am Schluss erleichtert aufatmen können: James Bond hat uns mit seinem Gefolge einmal mehr in letzter Sekunde vor dem Bösen dieser Welt gerettet. Mister 007 sei Dank!

Rasant und raffiniert inszeniert, wurde von den MHL-Pops-Singers und den MHL-Pops-Orchestra unter der Leitung von Professor Bernd Ruf, ein Potpourri aus 50 Jahren nationaler und internationaler Krimigeschichte hervorragend akribisch seziert, dem Publikum in musizierender Höchstleistung serviert und zudem in bunt-schillernden Bühnenbildern präsentiert.

Gegen 22.45 Uhr erwachte eine verschlafene Mimi aus ihrem Albtraum und war froh, dass alles nur ein Traum gewesen war. Sie sollte besser nicht so viele Krimis lesen.

Hier Informationen zu aktuellen Veranstaltungen der Musikhochschule Lübeck

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Buchgenuss nach Ladenschluss

Einmal eine Nacht lang in einer Buchhandlung eingeschlossen sein, um sich in aller Ruhe nach Herzenslust dem Buchgenuss hinzugeben. Für manche ein langersehnter Traum, für andere ein wahrer Albtraum. Menschen mit Klaustrophobie packt bei dieser Vorstellung das kalte Grauen, hartgesottene Büchernarren bekommen stattdessen leuchtende Augen.

Am 18. November 2014 erfüllte die Buchhandlung Hugendubel in Lübeck, ehemals Weiland, einigen von ihren insgesamt 7.000 Kunden endlich diesen langgehegten Wunsch. Gegen 19.30 Uhr öffneten sich nochmals kurzzeitig die Türen, um die rund 100 Bücherliebhaber zur Veranstaltung „Buchgenuss nach Ladenschluss“ hereinzulocken und sogleich einzuschließen.

Damit bei der riesigen Bücherauswahl die Leselust nicht zum Schmökerfrust wurde, fand nach der allgemeinen Begrüßung und Vorstellung des Teams eine kleine Literaturselektion  durch die Filialleiterin, Sabine Kuckuck, statt. Während im Hintergrund dezent die Sektkorken knallten, stellte sie in einem 30-minütigen Turbodurchlauf ein Potpourri aus den Rubriken Romane, Erzählungen, Krimis und Sachbüchern zusammen.

Mit Schnittchen und einem Glas Prosecco gestärkt, schwärmten anschließend die begeisterten Leseratten und selbsternannten Bücherwürmer in der Buchhandlung aus und stürzten sich endlich in das Eldorado von circa 80.000 Büchern, um nun noch ihren großen Bücherhunger und Wissensdurst zu stillen.

Verteilt über drei Etagen hatten die 100 Lesefreunde bis 23.00 Uhr die Gelegenheit, sich fernab der Hektik des Alltags und mit  Muße nach eigenem Gusto in unterschiedlichste Literatursparten zu vergraben. Die begrenzte Teilnehmerzahl dürfte auch bei den Menschen mit Platzangst das Herz vor Glück höher schlagen gelassen haben, denn das ermöglichte ein uneingeengtes Stöbervergnügen.

„Die Veranstaltung Buchgenuss nach Ladenschluss  ist auch für uns hier in Lübeck eine Premiere gewesen und gab es  in unserem Haus bisher noch nicht“, sagt Sabine Kuckuck.  Von insgesamt 35 Mitarbeitern waren 9  „alte Hasen und junge Häschen“, wie sie liebgemeint ihre freiwilligen Helfer an diesem Abend nannte, engagiert im Einsatz. Sie alle gewährleisteten einen organisatorisch reibungslosen Ablauf und standen den Kunden in dieser langen Büchernacht mit Rat und Tat zur Seite.

Das Ereignis war den zumeist Viellesern auch 15,– Euro Eintritt pro Person wert gewesen, um dieses exklusive und ungestörte Lesevergnügen voll auszukosten. Und ein besonderes Bonbon soll dieses Event auch zukünftig bleiben, denn der „Buchgenuss nach Ladenschluss“ ist in der Buchhandlung Hugendubel in Lübeck zurzeit nur einmal jährlich geplant.

Wen jetzt die akute Bücherlust gepackt hat und nicht bis nächstes Jahr warten will, der sollte  sich ebenfalls  mit Literatur eindecken und diese genießen. Entweder kuschelig zuhause im Lese-Sessel bei einer Tasse Tee, oder gemütlich auf dem Lese-Sofa in der Buchhandlung bei einer Tasse Kaffee. Buchtrends in diesem Jahr sind nach Bestsellern und öffentlichen Diskussionen,  wie beispielsweise der Mauerfall vor 25 Jahren, zunehmend auch Regionalkrimis.

Vielleicht hilft ein immenser Lesestoffgenuss dem bevorstehenden Winterblues in dieser grauen Jahreszeit  entgegenzuwirken. Diese Angabe ist allerdings ohne Gewähr und die Nebenwirkungen eines Bücherrausches sind nicht auszuschließen. In diesem Sinne: Viel Freude beim Schmökern und eine schöne Lesezeit!

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Ausgezeichnet: die Bionavigator Ernährungsbetreuung

Die BioNavigator Ernährungsbetreuung erhält Gründerpreis 2016 der Sparkasse zu Lübeck AG

„Damit habe ich absolut nicht gerechnet!“ – jubelt der erst 24-jährige Gründer der Firma BioNavigator GmbH,  Abid Mares, über seine überraschende Auszeichnung mit dem Gründerpreis 2016. Das mit 10.000 Euro dotierte Preisgeld wurde zum 5. Mal gemeinsam von der Sparkasse zu Lübeck AG, der Fachhochschule und der Universität zu Lübeck  verliehen und zeichnet herausragende Leistungen bei der Entwicklung innovativer und tragfähiger Geschäftskonzepte sowie beim Aufbau neuer Unternehmen aus.

Mit seiner Gründung der BioNavigator GmbH, mit Sitz in Lübeck, und unter dem Firmenmotto: „Du bist einzigartig. Deine Ernährungsbetreuung auch.“, hat Abid Mares die Jury von seinem Geschäftskonzept in diesem Jahr überzeugt. Die Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD) und Frank Schumacher, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse zu Lübeck AG, überreichten Abid Mares dazu feierlich am 30.06.16, vor rund 200 Gästen, im Audimaxx der Universität und der Fachhochschule Lübeck, den Preis in Form eines symbolischen Schecks.

BioNavigator GmbH: Gründerpreisträger 2016 der Sparkasse zu Lübeck

Obwohl dem frischgebackenen Preisträger nach zahlreichen Grußworten und Danksagungen seitens der VertreterInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und öffentlichem Leben, keine Redezeit zugedacht war, hatte es Abid Mares doch noch nicht ganz die Sprache verschlagen: Überwältigt und überrascht von seiner Auszeichnung sprang die rheinländische Frohnatur spontan vom Stuhl und ergriff beherzt das Wort am Rednerpult. Unter tosendem Beifall bedankte er sich ebenfalls bei allen Anwesenden. „Ich hätte das nie alleine geschafft. Ich habe so ein tolles Team und super Mentoren gehabt. Daher gilt mein besonderer Dank vor allem meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von BioNavigator“, erklärte der gebürtige Bitburger sichtlich bewegt und ergänzte humorvoll  zum Abschluss:“ Ich hätte nie gedacht, dass man von einer Bank so viel Unterstützung bekommen kann.“

Das hinter so viel unerschütterlichem Optimismus bereits eine bewegte Vergangenheit steckt, merkt man dem schwarzgelockten Jungunternehmer auf den ersten Blick nicht an.

Denn seit seiner Kindheit litt Abid Mares unter starkem Übergewicht und hatte sämtliche Diäten von A-Z sowie alle erdenklichen Versuche zum Abnehmen durch, die es überhaupt gab. Auch sportliche Aktivitäten und vielversprechende Fitnesstrends blieben gänzlich erfolglos.

Noch im März 2012 brachte der sanftmütige Riese stolze 143 kg bei 185 cm Körpergröße auf die Waage.

„Es kann dir jemand die Tür öffnen. Hindurch gehen musst du selbst“ Konfuzius

„Ich bin sehr fokussiert. Wenn ich etwas will, dann will ich es bis zum Ziel und bin ehrgeizig mit Herz und Seele dabei“, erzählt Abid Mares voller Elan und seine dunkelbraunen Augen sprühen vor Lebensfreude.  Er hat gelernt, auch nach Rückschlägen nicht aufzugeben und weiterzumachen. Und so machte er sich daran, die Sinnhaftigkeit jeder Diät-Empfehlung zu hinterfragen, diese gleichzeitig aus Sicht eines Biologen zu betrachten und dann nach Antworten zu suchen. Daraus stellte er während seiner Abiturzeit sein eigenes Erfolgsrezept zusammen und entwickelte gleichzeitig den Prototyp seines eigenen Erfolgskonzeptes.

Auf die Frage, an welches besondere Ereignis er sich gern erinnert, kam prompt die Antwort: „Als ich das erste Mal ein zweistelliges Gewicht auf der Waage erblickte – das waren knapp 93 kg im August 2012.“ Innerhalb von sechs Monaten nahm er insgesamt 50 Kilo mit seinem eigens entwickelten Ernährungskonzept ab!

„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“Laozi

Dieses Erfolgserlebnis macht ihn heute noch so glücklich, dass er zukünftig auch anderen Menschen den steinigen Weg des ständigen Diätenmartyriums ersparen und zu einem neuen Lebensgefühl verhelfen möchte. Denn die meisten Konzepte sind pauschal für die Masse ausgelegt und berücksichtigen nicht die Umstände des Einzelnen, die jeder Mensch in unterschiedlichem Maße hat.

„Bei der BioNavigator Ernährungsbetreuung geht es darum, für jeden Einzelnen ein individuelles Konzept zu erstellen, das genau auf die jeweilige Lebenssituation und die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist und fortlaufend durch einen Ernährungsbetreuer angepasst wird. Ich glaube, dass macht uns einzigartig“, führt der engagierte Gründerpreisträger weiter aus.

Die Auszeichnung mit dem Gründerpreis 2016 der Sparkasse zu Lübeck AG bedeutet dem ruhigen und doch selbstbewussten jungen Mann sehr viel. Er sieht es als Bestätigung und Anerkennung an, dass der bisher eingeschlagene Weg und die investierte Arbeit in die richtige Richtung gehen und dies nicht so verkehrt gewesen sein konnte.

„Ein Ziel zu wählen und an ihm festzuhalten verändert alles“ Scott Reed

Geboren und aufgewachsen ist Abid Mares mit fünf weiteren Geschwistern im rheinländischen Ort Mötsch bei Bitburg. Sein Vater, ein passionierter Angler aus Deutschland, angelte sich damals – im wahrsten Sinne des Wortes –  seine marokkanische Mutter während eines Urlaubes in Marokko. Vielleicht deutet bereits sein Vorname Abid,  frei aus dem Arabischen übersetzt: der Arbeitende, auf seine heutige Zielstrebigkeit und seinen unermüdlichen Arbeitseifer hin und wurde ihm schon frühzeitig mit in die Wiege gelegt.

Als Jugendlicher engagierte er sich in der freiwilligen Feuerwehr und absolvierte verschiedene Praktika in der Gastronomie, im Hotelfach und im sozialen Bereich. Trotzdem dachte der junge Abid bereits im Alter von 14 Jahren zum ersten Mal über eine eigene Firmengründung nach. Ausschlaggebend für den späteren Schritt in die Selbstständigkeit war unter anderem die positive Resonanz auf seinen sichtbaren Abspeck-Erfolg. Seit er weiß, dass auch andere Menschen von seinem eigens entwickelten Ernährungskonzept profitieren können, um ebenfalls dieses glücksbringende Gefühl am eigenen Leib zu erleben, möchte er diese Veränderung niemandem vorenthalten.

Ebenfalls mit 14 Jahren hatte er bereits das erste Mal durch eine Lübecker Handelssimulation am PC einen emotionalen Bezug zum hanseatischen Flair bekommen. Der spätere Entschluss tatsächlich nach Lübeck umzusiedeln, kam durch seine Entscheidung, ein Studium im Bereich Molecular Life Science, an der Universität zu Lübeck zu beginnen. Hier wollte der lebensfrohe Abid Mares auch den selbst entwickelten Prototypen seines Ernährungskonzeptes bekannt machen.

„Das große Ziel des Lebens ist nicht Wissen, sondern Handeln“ Thomas Huxley

Wie so oft im Leben  kommt alles anders als gedacht. Der quirlige BAföG-Student konnte  allein durch seine neuartige Geschäftsidee einige Investoren und Finanzgeber überzeugen,  denn Startkapital hatte der Jungunternehmer nicht. Sein Erspartes ist zuvor komplett in die Prototypentwicklung geflossen. Und so geschah es, dass Abid Mares im Februar 2015 seine eigene Firma BioNavigator in Lübeck gründete. Und er möchte anderen Neugründern Mut machen: „Als BAföG-Student so eine Finanzierung hinzubekommen fand ich toll. Man sollte sich unbedingt einen oder besser mehrere Mentoren suchen, das ist mit das Wichtigste“, sagt er heute rückblickend. Sein Tipp:“ Bei der Suche nach Mentoren einfach bei erfahrenen Unternehmern anfragen. Es ist überraschend, wieviel Hilfsbereitschaft man bekommt.“

Mittlerweile beschäftigt er in seinem Unternehmen BioNavigator drei Vollzeit,- vier Teilzeitkräfte, vier Minijobber und einen Auszubildenden. Ehrlich und bescheiden gibt er zu:“ Es ist schon ein enormer Druck vorhanden, in so kurzer Zeit eine gewisse Personalverantwortung zu übernehmen und dem dann auch gerecht zu werden.“ Schlaflose Nächte hat er trotzdem nicht. „Ich schlafe wie ein Stein. Ich habe auch keine Angst, sondern nur Respekt davor,  eventuell nicht immer genug Kompetenz zu haben.“

„Wahre Freundschaft ist eine sehr langsam wachsende Pflanze“ Georg Washington

Als Abid Mares anfängt über wahre Freundschaft zu reden, verwandelt sich sein manchmal melancholischer Gesichtsausdruck in ein verschmitztes Lächeln. Er beschreibt die gemeinsamen Erlebnisse, die er mit seinem besten Freund Alex seit seiner Kindheit teilt. Die beiden sind seit der Schulzeit fast unzertrennlich. Ein Beweis dafür ist auch, dass  ihm Alex aus dem tiefsten Westen in den hohen Norden gefolgt ist und ihm nun innerhalb der Firma BioNavigator den Rücken stärkt. „Ich freue mich besonders darüber, mit meinem besten Freund ein Unternehmen aufzubauen“, fährt er strahlend fort.  Auch wenn zwischen beiden manchmal  bei unterschiedlichen Auffassungen die Fetzen fliegen,  umso mehr schweißt sie ihre innere Verbundenheit wieder zusammen. Spätestens beim nächsten gemeinsamen Computerspiel sind sie wieder ein Herz und eine Seele.

Beim Thema Vorlieben und Abneigungen hat der ambitionierte Firmengründer auch klare Vorstellungen. „Ich mag Menschen, die wissen was sie wollen und Menschen, die sich selbst gefunden haben und natürlich liebe ich gutes Essen. Ich mag verschiedene Geschmacksexplosionen, die auf der Zunge zergehen und das Gefühl, satt geworden zu sein.“

Obwohl in Bitburg das Bier in Strömen fließt, trinkt er selbst keinen Alkohol. „Ich habe über viele Jahre mein Ernährungskonzept entwickelt und an mir selbst ausprobiert, das beinhaltet eine gesunde Lebensweise, die mir gut tut“, erläutert der gutgebaute Wahllübecker. Von Dingen oder Menschen, die ihm nicht gut tun hält er sich möglichst fern. „Ich mag keine ‚Energiesauger‘ und ‚Bevormunder‘, die eine negative Ausstrahlung haben und mich unnötig viel Kraft kosten.“

„Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“ Philip Rosenthal

Für seine private Zukunft hat er noch keine konkreten Pläne. Momentan ist er mit seiner Lebensgefährtin glücklich, die ihm nach einem langen Arbeitstag zur Seite steht. Doch für seine Firma BioNavigator hat Abid Mares schon ganz konkrete Ziele: “Kurzfristig möchte ich den Menschen die Hilfe anbieten, die ich nicht hatte. Mittelfristig möchte ich das führende Institut für Therapie durch Ernährung in Deutschland aufbauen und langfristig möchte ich dem aktuellen Trend von Übergewicht in Deutschland durch eine Umstellung auf einen gesunden Lebensstil  entgegenwirken“. Ein ehrgeiziges Vorhaben, das dem weitblickenden Pionier dauerhaft zu wünschen ist. Apropos Wünsche: Was wünscht sich Abid Mares, wenn er drei Wünsche frei hätte? Da wären: “Mehr Wünsche, Gesundheit und mehr Zeit.“

Mit seinen 24 Jahren wirkt der junge Firmeninhaber schon sehr erfahren und abgeklärt:
“ Ich habe meine innere Ausgeglichenheit gefunden und weiß genau wohin ich will. Trotz mancher Hürden sollte man immer am Ball bleiben. Es läuft selten so wie man sich das wünscht und dann reflektiert man die Situation und setzt es anders um.“

Mit seinem unbeirrbaren Optimismus sagt der charismatische Gründerpreisträger zum Schluss noch folgendes: „Niemand sollte aufgeben. Es gibt immer eine Möglichkeit – das ist auch die Erfahrung, die ich selbst gemacht habe. Man muss dahinter stehen, daran arbeiten und dann funktioniert es auch.“

Wer sich vor Ort über die einzigartige BioNavigator Ernährungsbetreuung informieren möchte, hat dazu auf der Travemünder Woche vom 22.07. bis  31.07.2016 Gelegenheit, den Stand 168 an der Strandpromenade/Ecke Bertlingstraße zu besuchen und dort Abid Mares und sein engagiertes Team persönlich kennenzulernen.

Copyright© Gudrun Krüger

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Denk an DagNy: Neuer Tag - neue Chance?

Es geschah am späten Nachmittag. Es war bewölkt an diesem Dienstag, als sie heimlich, still und leise, einen Entschluss fasste. Denn niemand war da, der sich um sie kümmerte und niemand, dem sie fehlen würde. Ihre stolze Zeit als Steinfischerin, wo sie einst noch gebraucht und geachtet wurde, war endgültig vorbei.

Zertrümmert. Zerstört. Zerfallen. Ihr Name: DagNy – ein altnordischer Name, der so viel bedeutet wie Der neue Tag. Den würde es für sie nicht mehr geben, denn mit ihren 117 Jahren wollte sich die verwahrloste Lady am 30. September 2014  im Hafen von Neustadt in Holstein ertränken. Was ihr auch fast gelang, denn die eilig von besorgten Augenzeugen herbeigeholte Feuerwehr konnte ihren Untergang nicht ganz verhindern.

Vorbei die Zeit, als sie noch als eine der letzten original erhaltenen Galeassen, eine Kombination aus Segelschiff und Ruderschiff, stolz über die Meere segelte. Vorbei die Zeit, als sie sich mit Traummaßen von 4,77 Breite, 14,63 Meter Länge, 1,63 Meter Tiefgang und einem Schwergewicht von 48 Tonnen, als Komparsin für die ZDF-Serie „Küstenwache“ gekonnt in Szene setzte. Vorbei die Zeit, als sie alle möglichen Höhen und Tiefen, die jeder irgendwann im Laufe seines Lebens einmal umschiffen muss, erfolgreich meisterte.

Und was ist von ihr übrig geblieben? Nun lag sie als morsches und marodes Schiffswrack einsam, verlassen und allein gelassen, fast 11 Tage lang nach ihrem Untergang im Neustädter Hafen auf Grund und meinte, dass ihre Zeit als nützliches Schiff für sie in diesem Leben abgelaufen sei.

Ein neuer Tag – eine neue Chance

Er kam – sah und handelte. Emotionaler kann es für einen Emotionsforscher, Psychiater und Psychotherapeuten wohl nicht gehen, wenn ausgerechnet ein Seelenarzt an AllerSeelen vom Untergang der alten DagNy erfährt und sie kurzer Hand, wie von einem Mediziner nicht anders zu erwarten, vor dem totalen Exitus rettete. Gemeint ist ein Arzt, der in seinem Beruf die Berufung sieht und sich dazu berufen sah, der zermürbten Galeasse zu helfen. „Es muss ein Wink des Schicksals gewesen sein, wenn ein Schiff mit dem Namen Ein neuer Tag, keine neue Chance bekommen sollte, denn auch ein Schiff hat eine Seele“, meint der 56-jährige Hochschullehrer für Psychiatrie an der Charité in Berlin und jetzige DagNy-Besitzer, Dr. Bernd Ahrens gerührt.

Nach schwierigen, rund zehnstündigen Bergungsarbeiten, unter Einsatz von schwerem Gerät, wurde die DagNy wieder zurück ins Leben katapultiert, einige Monate später aufwändig in den Lübecker Hafen manövriert und dort nun restauriert, um anschließend als Seelenschiff für ein gemeinnütziges und soziales Projekt eine neue Aufgabe zu finden.

Knapp neun Monate später

Es ist später Nachmittag. Mit gerade einmal 13 Grad  startet an diesem Sonntag der diesjährige Sommer am 21. Juni 2015 etwas zu kühl und bewölkt in die Saison. Im „Strandsalon“ in Lübeck versuchen zumindest die Strandkörbe, der feine Sandstrand und der azurblaue Swimmingpool ein bisschen warmes Urlaubsgefühl zu vermitteln. Maritimes Flair breitet sich trotzdem aus: Der Blick direkt auf das Wasser, zu den Segelschiffen, die im Lübecker Hafen vor Anker liegen und der ab dem heutigen Tag noch um einen Traditionssegler reicher ist. Die betagte, gehobene und abgeschleppte Galeasse DagNy ist direkt an der Nördlichen Wallhalbinsel gestrandet und endlich in ihrem Heimathafen in Lübeck angekommen.

Daniel, von allen Danny genannt, sitzt mit leichtem Baumwollhemd, Blue-Jeans und braunen Boots bekleidet auf einer Holzbank, nicht weit entfernt vom „Strandsalon“ und rückt in seinem rundlichen Gesicht die randlose Brille zurecht. Der 23-Jährige fühlt sich zurzeit innerlich genauso dünnhäutig wie seine zu dünnen Sommersachen. Doch das merkt er nicht. Genauso wenig bemerkt er die rund 130 Gäste, die um ihn herum Bier, Wein oder Cocktails trinkend, Musik hörend und in Gespräche vertieft, die Ankunft des Seelenschiffes DagNy gebührend feiern.

Sein halblanges, dunkelblondes Haar hängt zerzaust vom Winde verweht an seinem Kopf herunter. Fast genauso wirr sind seine Gedanken, die wie ein wirbelnder Strudel in seinem Kopf umherkreisen. Wie eine Haifisch-Harpune durchbohrte es sein Herz, als seine Freundin ihm mitteilte, dass sie ihn verlässt. „Es ist AUS mit uns. Hab einen Anderen“, schrieb sie einfach so per SMS und meldete sich nicht wieder. Dabei war sie seine Traumfrau und er wollte mit ihr eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Sogar eine eigene Wohnung hatten sie sich schon angeschaut. Und jetzt ist alles zerplatzt. Peng, wie eine Seifenblase von einer Sekunde auf die andere. Aus der Traum.

Seine Berufsausbildung hat Danny fast abgeschlossen. Die Abschlussprüfungen stehen bald bevor. Die Auftragslage sei schlecht, sodass man leider nur einen Azubi übernehmen könne, so die lapidare Aussage seines Chefs. Das ist in dem Fall wieder Pech für ihn, denn er wird nicht übernommen. Jetzt wird er bald auf Jobsuche sein. Mehr noch belastet ihn, dass Kollegen einige Gerüchte über ihn verbreitet hatten. Vor Wut ist auch er geplatzt, genau wie eine Seifenblase, und ein Schwall von Schimpfwörtern platzte unkontrolliert aus ihm heraus. Was ihm fast den Rausschmiss aus der Firma kostete, aber in letzter Konsequenz nun von seinen Kollegen mit einem Deckmantel aus komplettem Anschweigen und Ignorieren geächtet wird. Noch mehr seelischer Ballast, den er mit sich herumschleppen muss.

Achterbahn der Gefühle

Und so schwappt nun eine Welle nach der anderen auf ihn ein und baut sich wie ein mächtiger Taifun vor ihm auf. Es kommt ihm vor, als ob er sein Leben gar nicht mehr selbst steuert und ihm das Ruder aus der Hand läuft. Seine Gedanken drehen sich wie ein magischer Sog im Kreis: Wie werde ich bloß mit dieser schmerzhaften Zurückweisung, diesem Frust und dieser innerlichen Wut fertig? Es tut so weh! Packe ich die Prüfungen bei dem Stress überhaupt? Was mache ich nach der Ausbildung? Wer könnte mir jetzt helfen? Mit wem rede ich darüber? Außer 497 Facebook-Freunden, die er nicht persönlich kennt, hat er niemanden mit dem er sich austauschen könnte. Wie geht es weiter?

Gedankenverloren blickt er direkt auf die traurigen Überbleibsel der gestrandeten DagNy. Gänsehaut breitet sich an seinem ganzen Körper aus und lässt all seine Härchen zu Berge stehen. In diesem Augenblick fühlt er sich mit dem angeschlagenen Schiffswrack irgendwie verbunden, wie eine Art Seelenverwandte: genauso einsam, verlassen, allein gelassen.

Als plötzlich eine Windböe über die DagNy streift hörte es sich in ersten Moment  wie ein zartes Wispern, wie ein zaghafter Zuruf, für ihn an – da wurde Danny klar: Uns beide verbindet ein ähnliches Schicksal. Beide stehen wir vor einem Trümmerhaufen. „Du äußerlich und ich innerlich“, geht ihm gedanklich durch den Kopf. „Wenn man dieses marode Holzwrack entsprechend aufpäppelt, es aufarbeitet, poliert, daran schraubt, schreinert und schleift, dann könnte daraus eigentlich wieder eine schöne See-Perle werden. Und wenn ich wüsste wie ich bei seelischen Krisen die Segel richtig setze, um die Klippen zu umschiffen, dann wäre ich für zukünftige Katastrophen besser gewappnet“, fügt er unausgesprochen  hinzu.

Jeder Anfang beginnt mit einem ersten Schritt – und der ist getan, als Danny die angelehnte Aluminiumleiter am abgenutzten Seelenschiff erblickt. Noch etwas zögernd und unsicher erklimmt er Stufe für Stufe nach oben zum Deck und trifft dort auf Dr. Bernd Ahrens. Er nimmt all seinen Mut zusammen: „Hallo, ich bin Danny.“

„Herzlich willkommen an Bord, Danny.“ Und der neue Start in eine spannende Fahrt durchs Leben beginnt.

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Lübecker Theaternacht: Was für ein Theater
9. Lübecker Theaternacht: Was für ein Theater

Die bequemen Schuhe sind geputzt, die passende Kleidung gebügelt, das Outfit entsprechend gestylt. Alles startklar, als am Samstag, 12.09.2015, gegen 17.00 Uhr,
der Startschuss zum langen Theatermarathon in Lübeck fiel. Der Run auf die Aufführungen in den teilnehmenden Häusern und der Sprint auf den besten Sitzplatz bei der diesjährigen Lübecker Theaternacht hatte begonnen!

Möge der Ausdauerndste mit Durchblick siegen, denn die Qual der Theaterwahl fiel bei dem vielseitigen Angebot an Spielstätten und Vorführungen sichtlich schwer.

Sage und schreibe 28 Theater und Ensembles priesen zum Teil zeitgleich ihre Stücke an und boten Einblicke in neue Inszenierungen der bevorstehenden Spielzeit, oder zeigten Highlights der letzten Saison. Und das gleich an 18 Veranstaltungsorten in der Hansestadt Lübeck!

Jedem Theaterläufer war klar: Diese Nacht in Lübeck wird lang und muss von Durchhaltevermögen und Nervenstärke geprägt sein. Nur Hartgesottene werden am Ende die meisten Theatervorführungen gesehen und somit die meisten Eindrücke gewonnen haben.

Des einen Freud, des anderen Leid

Tausende von Kulturbegeisterten nutzten die Gunst der Stunde und stürmten voller Theaterdrang in die bevorstehende Nacht. Sie strömten zu ihren auserkorenen Spielstätten der Begierde, um sich dann auf die heiß begehrten und hart umkämpften Plätze zu stürzen.

Für Groß und Klein wurde in den Vorstellungen ein Auszug aus einem bunten, abwechslungsreichen Programm geboten. In den vielerorts viertelstündigen Streifzügen erhielten die Zuschauer eine kurze Impression von der jeweiligen Performance, um „Appetit“ auf einen Besuch in der kommenden Theatersaison zu machen.

Zielstrebig flitzten Heerscharen von hartnäckigen Theaterbesuchern kreuz und quer durch die nächtliche Stadt, unermüdlich das Ziel vor Augen: Auf zu einer weiteren, vielversprechenden Darbietung!

Und wer nun partout keine Lust hatte sich in einem Theater wie beim Behördengang eine Nummer für die nächste Vorstellung zu ziehen, um womöglich dadurch anderorts eine Vorführung zu verpassen, der hat es wahrscheinlich von vornherein gleich ganz gelassen.

Alle beteiligten Ensembles haben sich die allergrößte Mühe gegeben, um den kulturhungrigen Läufern eine unvergessliche Theaternacht zu bescheren. Ob ein Theater fabelhaft oder grauenhaft ist, bleibt letztendlich dem persönlichen Geschmack und der eigenen Erwartungshaltung überlassen. Im Endspurt lautet die sportliche Devise dann:
Dabei sein ist alles und selbst besser machen, wenn man es kann.

Theaternacht verpasst – hier der Trost

 Wer sich die Menschenmassen und Strapazen der diesjährigen Lübecker Theaternacht erspart hat, kann sich trotzdem zuhause in aller Ruhe sein individuelles Theaterprogramm
für die nächste Wintersaison zusammenstellen.

Informationen zu den teilgenommenen Theatern und Ensembles stehen weiterhin Online zur Verfügung unter: www.theaternacht-luebeck.de

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Copyright© Gudrun Krüger

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