Hoch über den Dächern von Hannover lehnt sich Bernhard an die Brüstung seiner großen Dachterrasse. Er steht  am Geländer und verfolgt gedankenverloren den farbenprächtigen Sonnenuntergang am abendlichen Himmel. Der Wind streift sanft durch seine naturblonden Locken und eine leichte Brise weht ihm angenehm um die Nase. Ein Gefühl von Macht und Freiheit breitet sich in ihm aus. Ein enormes Glücksgefühl durchflutet seinen Körper – warm wie ein erlesener Grappa, der langsam die Kehle hinunter rinnt. Geschafft!
Endlich ist Bernhards lang ersehnter Traum in Erfüllung gegangen:

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Er hat seine edel ausgestattete Penthouse-Wohnung mit Blick auf das Regenwaldhaus nach Zeit raubendem Suchen endlich gefunden. Nach langem Hin und Her glaubte er fast  nicht mehr an einen glücklichen Ausgang, aber wie heißt es so schön: Ende gut,  alles gut. Und bislang hat Bernhard – auch Barny genannt – immer alles bekommen was er wollte.

„Nun habe ich schon die magischen Dreißig überschritten“, sinniert er mit einem leisen Anflug von Melancholie. Er ist sowohl als zielstrebiger Abteilungsleiter in einem angesehenen Bankhaus als auch in den ‚Circle of Generation Bifi’ aufgestiegen. Nicht mehr blutjung, aber dafür dynamisch, durchtrainiert und durch und durch attraktiv. Und wenn es darauf ankommt im Leben und auf der Karriereleiter weiterzukommen, so lautet Barnies  Devise glasklar: Nehmen und nicht Geben.

Doch tief in seinem Inneren lodert noch eine andere Leidenschaft. Nie hätte er gedacht, dass er seine große Liebe in Deutschland findet. Meilenweit ist er gereist, um sich wieder zu verlieben. Asien, Australien, Amerika – in der ganzen Welt hatte er nach IHR Ausschau gehalten. Doch ausgerechnet im Regenwaldhaus in Hannover ist er ihr begegnet. Fast vor seiner Haustür – so nah und gar nicht fern.

Seit ein paar Tagen überfällt ihn stündlich ein wahnsinniges Kribbeln im Bauch. „Ti amo“, flüstert er versonnen in den lauen Sommerabend. „ Das Wunder ist geschehen: Gleich sehe ich Dich wieder, meine Aricia! Deine schwarzen Samtaugen haben mich verzaubert und um den Verstand gebracht!“ Bei diesen Gedanken leuchten seine wasserblauen Augen wie ein Schwarm Glühwürmchen in der Dunkelheit.

Kurzgeschichte-Sammel-leidenschaft-kurzgeschichte-storytelling-marketing-gudrun-kruegerJetzt muss Barny an heute Nachmittag denken, als er im Fitness-Studio trainierte. Selbstverliebt erkannte er im hell erleuchteten Wandspiegel haargenau die Umrisse seiner durchtrainierten Bizeps. Dem grellen Neonlicht bleibt nichts verborgen. Und momentan ist es für ihn so wichtig eine gute Figur zu machen. Seine Sonnenblumen-Tätowierung auf den Oberarmen kam auf seinen Muskelpaketen dabei glänzend zur Geltung. Babyöl macht’s möglich. Im Studio nennen ihn deshalb die anderen hinter vorgehaltener Hand meistens nur: Barny unser Arny. Das ist eben der Neid der Besitzlosen, denkt das kühle Köpfchen mit Engelslöckchen.

„Gut dass ich mir vorher noch die Brust mit Wachs enthaart habe“, murmelt er. „Gerade jetzt, wo ich diesem unglaublich süßen, weiblichen Wesen begegnet bin. Es war zwar die Hölle, doch Mann muss mit einem perfekt gestylten Body alles toppen.“

Mit einem selbstzufriedenen Lächeln lässt Barny die Gedanken vor seinem inneren Auge noch einmal Revue passieren: Ich sehe verdammt gut aus und bin eben ein stählerner Arny-Typ, dem die Bräute nur so zufliegen.

Aricia, Aricia… es ist einfach irre, welche Vibrations dieser Name bei mir ausgelöst hat. Als ich sie vor gut einer Woche das erste Mal sah, durchfuhr es mich wie Blitz und Donner. Dieses tierische Outfit, diese sexy Figur und diese coolen Bewegungen.  Es war bei ihm Liebe auf den ersten Blick.

Mit meiner charismatischen Ausstrahlung komme ich beim weiblichen Geschlecht immer gut an. Doch sie interessieren mich alle nicht! Die meisten Frauen sind für mich lebende Heuschrecken. Sie stürzen in Schwärmen auf mich zu und wollen immer nur das eine – was ich nicht will. Ganz im Gegensatz zu meiner auserwählten, sechsbeinigen Beauty-Queen:

Exakt am unteren Kopfteil durchbohrt, ist sie feinsäuberlich auf einer langen Nadel aufgespießt. Majestätisch thront sie auf einem purpurfarbenem Samtbett in einer luxuriösen Glasvitrine im Wohnzimmer und schillert mich in all ihrer Farbenpracht und ihren verführerisch-starren Knopfaugen an.

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Schmetterling Aricia agestis

Aricia agestis – die Königin unter den Schmetterlingen. Meine angebetete Schönheit unter all den Faltern dieser Welt! Sie fehlte mir noch als absolutes Highlight in meiner umfangreichen Sammlung.

Was kann das Herz eines Schmetterlingssammlers da noch höher schlagen lassen?

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