Akte Lübeck ungeklärt: Den Schreibtätern auf der Spur

Wie tickt ein Mensch, der eine Mordgeschichte entwickelt? Was geht in solchen Momenten  in einem Thriller-Autor vor? Welches Motiv treibt ihn an? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Amateur-Profiler, Hobby-Kriminalisten und Laien-Detektive  gleichermaßen, die den Schreibtätern auf der Spur sind und sie bis zu ihren Schreibtischen verfolgen, um sie dort möglichst auf frischer Tat zu ertappen.

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So geschehen im vorliegenden, brisanten Fall, der uns direkt in die Hansestadt Lübeck führt. Konkret handelt es sich gleich um vier Lesungsvorfälle, die sich bereits während des
3. Lübecker Krimifestivals vom 21. bis 24.09.2015 in der idyllischen Stadt der sieben Türme ereignet haben. Doch was genau geschah in diesem Zeitraum in der malerischen Hansestadt?

Es scheint gleich eine ganze Schriftstellerbande in Lübeck am Werke gewesen zu sein, die eine ahnungslose Krimileserschaft mit ihren Auftritten an vermeintlich harmlose Vorlesungsstätten lockte, um sie dort mit ihren mörderischen Geschichten zu überfallen.

Doch der Reihe nach: Kommen wir zunächst zu den einzelnen Vorkommnissen und fangen mit den knallharten Fakten am ersten Tatort an, an dem unsere Spurensuche beginnt:

Datum:Montag, 21.09.2015
Tatverdächtige:Klaus Peter Wolf und seine Komplizin Bettina Göschl
Berufe:Er: Angeblich Autor von Krimis und Drehbüchern;
Sie: Sängerin von lieblichen Kinderliedern
Tatort:Casino Lübeck im Hotel Park Inn
Tatzeit:19.30 Uhr
Tat:Lesung aus einem 494-seitigem Kriminalroman; zwischendurch Ablenkungsmanöver mit Gesang + Gitarre
Tatmotiv:Ostfriesenwut
Aktenzeichen: ISBN-978-3-596-19726-2
Augenzeugen:ca. 70 Hobby-Kriminalisten, die den Lesungsfall direkt miterlebt haben
Autor Klaus Peter Wolf Foto: Gaby Gerster Copyright

Klaus Peter Wolf-Foto: Gaby Gerster Copyright

Tatverlauf:

Im gemütlich anmutenden Casino in Lübeck laden an diesem Abend kuschelige Sitzecken, gedämpftes Licht und die Versuchung auf ein verlockendes Spielroulette zum Verweilen ein.

Doch die Besucher zieht es zu diesem Zeitpunkt nicht an die Spieltische, sondern auf die Stühle und Sessel im behaglichen Lesesaal. Auch ein nostalgischer Kerzenleuchter auf dem Tisch der schummrigen Bühne ließ im Vorfeld nicht erahnen, dass sich hier gleich eine knapp zweistündige, literarische Verbrecherjagd mit dem Schreibverdächtigen Klaus-Peter Wolf und seiner Sängerkomplizin Bettina Göschl abspielen wird. Niemandem war bewusst, dass es sich bereits um seine 9. Schreibtat in Ostfriesland handelt. Seine markanten Erkennungszeichen, rote Hosenträger und rote Brille, gaben ebenfalls noch keinen Hinweis darauf, was für ein mordlüsternes Gedankenpotential in Klaus-Peter Wolf schlummerte. Wieviel „Ostfriesenwut“ muss da an diesem Schreibtäter genagt haben, dass die anwesenden Zeugen nun wie gebannt an seinen Lippen hingen, um die Hintergründe über die menschlichen Abgründe mit zu ergründen?

Der nächste Lesungsvorfall ist bizarr und verwirrend zugleich und kann als Stätte des Grauens kaum schauriger und gruseliger sein.
Hier die nackten Tatsachen zur 2. Lesungstat:

Datum:Dienstag, 22.09.2015
Tatverdächtige: gleich vier von insgesamt achtzehn Personen!
Davon wurden vor Ort von
zuverlässigen Augenzeugen identifiziert:

Anke Gebert, Walter M. Dobrow, Ulrich Borchers und Jürgen Vogler
Berufe:angeblich auch alles Schriftsteller
Tatort:Anatomie Haus 63, Uni-Klinik Lübeck
Tatzeit: 19.30 Uhr
Taten:Lesungen aus einem 202-seitigen Kurzkrimiband
Tatmotive:MeerMorde, die wortwörtlich in mehr Morde ausarten
Aktenzeichen:ISBN-978-3-944399-40-9
Tatzeugen: über 110 abgebrühte Schaulustige mit Hang zum Morbiden
MeerMorde; Windspiel Verlag Scharbeutz

MeerMorde; Windspiel Verlag Scharbeutz

Tatverlauf:

Allein an diesen abgelegenen Ort des Geschehens zu gelangen, den sich die Schreibtäter diesmal bewusst ausgesucht hatten, kam einem Katz-und-Maus-Versteckspiel gleich. Unübersichtlich und gut getarnt, glich die Anatomie auf dem Unigelände einem Labyrinth und war für viele Verfolger des Krimifestivals schwer zu finden. Trotzdem schafften es über Einhundert Hartnäckige in die unheimlichen Katakomben zu gelangen. Bei der Darstellung der nachfolgenden Lesungstaten, die akribisch bis ins Detail veranschaulicht und lesescharf seziert wurden, stockte so manchem der Atem und ließ selbst den hartgesottenen Hobby-Ermittlern ein Gruselschauer über den Rücken laufen. Hier war so manch Lebender, mit konservierten Körperteilen und Leichen nebenan auf dem Seziertisch, näher am realen Geschehen als ein zartbesaitetes Gemüt womöglich aushält.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass sich beim folgenden Ereignis nur auffällig wenige Krimi-Spürnasen am nächsten Tatort einfanden. Anscheinend hatten sich diese unweigerlich im Gewirr der Uniklinik verirrt, oder mussten sich noch von den vorherigen, bleibenden Eindrücken erholen.

Deshalb gleich kurz und knapp die Fakten zum 3. Lesungsvorfall:

 

Datum:Mittwoch, 23.09.2015
Tatverdächtiger: Hannes Nygaard
Beruf:angeblich ebenfalls Schriftsteller von Krimis
Tatort:Zimberei im Restaurant der Gemeinnützigen in Lübeck
Tatzeit: 19.30 Uhr
Tat:Lesung aus seinem 272-seitigen Buch
Tatmotiv:Nordgier
Aktenzeichen: ISBN-978-3-95451-689-6
Tatzeugen:knapp 40 Pseudo-Undercover-Ermittler, die sich auf Wirtschaftskriminalität
spezialisiert haben
      

Krimi Nordgier von Hannes Nygaard; emons Verlag

Krimi Nordgier von Hannes Nygaard; Emons Verlag

Tatverlauf:

Wer sich bislang nicht auf die falsche Fährte locken ließ und die Spuren bis in die Zimberei verfolgt hatte,  fühlte sich an diesem Ort augenblicklich in die Zeit des Hochadels zurück versetzt. Mit kristallenen Lüstern an der Decke, einer ehrfurchtsvollen Ahnengalerie an den Wänden und rundum verschnörkeltem Ambiente,  war gleichzeitig eine vornehme Aura, passend zur Lesung aus dem Hinterm-Deich-Krimi von Hannes Nygaard, geschaffen. Wie ein weißhaariger Märchenerzähler, ungefährlich und unschuldig durch seine Brille blickend, thronte der Schreibverdächtige inmitten des edlen Saales auf dem pompösen Sessel  und vor ausgerolltem, rotem Teppich. In sich ruhend und mit leiser Stimme trug er sein Anliegen dem geneigten Publikum vor. Dabei konnte jeder erfahrene Amateur-Profiler nur schwerlich erahnen, wieviel „Nordgier“ wirklich in ihm steckte. Legte dieses  ‚Unschuldslamm‘ wirklich alle Karten aus dem Korruptionssumpf wahrheitsgemäß auf den barocken Tisch?

Kommen wir nun zum 4. und vorerst letzten Lesungsvorfall in Lübeck:

Datum:Donnerstag, 24.09.2015
Tatverdächtiger: Deckname: Eric Berg, auch unter Eric Walz bekannt
Beruf:angeblich Schriftsteller von Krimis und historischen Romanen
Tatort:Hotel Hanseatischer Hof in Lübeck
Tatzeit: 19.30 Uhr
Tat:Lesung aus seinem 416-seitigen Wälzer
Tatmotiv:Küstengrab
Aktenzeichen:ISBN-978-3-8090-2641-9
Tatzeugen:ca. 50 Laien-Detektive, die dem Schreib-Guru gebannt lauschten

Autor: Eric-Berg -Foto: Derek-Henthorn Copyright

Autor: Eric-Berg -Foto: Derek-Henthorn Copyright

Tatverlauf:

An diesem Abend führt uns die Lese-Fährte hoch über die Dächer von Lübeck. Konkret in den 4. Stock des Hotels Hanseatischer Hof. Erwartungsvoll sitzen hier bereits die wissbegierigen Krimiverfolger im bestuhlten Raum mit ausgelegtem Schottenkaro-Teppich. Als der dunkel gekleidete „Man in Black“ – Eric Berg – beginnt aus seinem „Küstengrab“ ein Schreibgeständnis abzulegen, ist es mucksmäuschenstill. Gebannt lauschten die Hobby-Kriminologen wie es sich anfühlt das Gedächtnis zu verlieren. Geduldig erzählte der Schreiberling wie alles begann, aber nicht wie alles endet. Zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Denn dazu waren die Aufzeichnungen zu umfangreich und die rund zwei Stunden nicht ausreichend, um ein volles Geständnis aus dem sanftmütig wirkenden Schreibtäter herauszulocken.

Aber keine Sorge: Interessierte Krimi-LeserInnen, Laien-Kriminalisten, Hobby-Detektive und Amateur-Profiler bekommen bald noch mit dem richtigen Riecher die Gelegenheit, die Tatmotive der Schriftsteller in Buchform selbst zu analysieren und sich ein eigenes Bild über die Taten zu verschaffen. Mehr Details dazu später.

Dies waren zunächst die vier Lesungsvorfälle im Überblick. Auch wenn die Schreibtäter als Personen und im Auftreten grundverschieden sind – alle haben eines gemeinsam: Sie wirken in der Öffentlichkeit auf andere Menschen äußerst sympathisch, hilfsbereit und überaus freundlich. Und genau deshalb gestalten sich die Ermittlungen so tückisch und schwierig. Auch ist noch unklar, ob es sich um Einzeltäter oder um eine ganze Schriftstellerbande handelt.

Darüber hinaus für alle Hobby-Kriminalisten eindeutig erkennbar: Das Tatmotiv aller Schreibverdächtigen. Auffällig bei allen Vorkommnissen ist der Hang und Drang zum Morden im Norden. Ob in Ostfriesland, in Schleswig-Holstein, der Insel Poel oder gar gleich an der gesamten Lübecker Bucht, finden die Schreckenstaten statt. Der Erholung versprechende Strandkorb kann genauso als gruselige Fundstätte fungieren wie die vermeintlich harmlosen, häuslichen vier Wände.

Doch bislang fehlt von den angeblichen Schriftstellern jede weitere Lese-Spur. Sie sind nach dem diesjährigen Krimifestival  allesamt spurlos aus Lübeck verschwunden und vermutlich in ihren wohlvertrauen Umgebungen untergetaucht. Es könnte sein, dass sie das 4. Krimifestival im nächsten Jahr abwarten, um dann erneut in Lübeck mit mordsmäßigen Buchlesungen zuzuschlagen.

Deshalb bittet das Kulturmagazin „Unser Lübeck“ alle Krimi-Interessierten um Mithilfe, um gemeinsam auf Spurensuche zu gehen und durch sachdienliche Hinweise den verdächtigen Schreiberlingen rechtzeitig das Handwerk zu legen.  In den bald folgenden vier separaten Buchvorstellungen werden die mutmaßlichen Schreibtäter einzeln genauestens unter die Lupe genommen. Je eine gezielte Frage wird dann hoffentlich zur Identifizierung des Schriftstellers führen.

Als Belohnung für den entlarvenden Hinweis, ist eine Verlosung von einigen Buchexemplaren ausgesetzt, die die persönliche Handschrift des jeweiligen Schreiberlings tragen.

Wer weiterhin aufmerksam die Rubrik „Literatur“ im Kulturmagazin „Unser Lübeck“  verfolgt, hat die Chance an den einzelnen vier  Buchverlosungen per Mail teilzunehmen und kann bald mit etwas Glück und Spürsinn ein handsigniertes Beweis-Exemplar als Trophäe in der Hand halten. Dann können wir vielleicht bald wieder in unserer idyllischen Hansestadt Lübeck aufatmen und sagen: Akte HL aufgeklärt.

Copyright© Gudrun Krüger

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