Zustände wie im Mittelalter:
Das MPS Spectaculum

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Reitende Ritter in Rüstungen auf dem MPS Spectaculum in Hamburg Öjendorf

Als Männer noch zum Schwert statt zur Schraube griffen

Wir schreiben den 5. September anno 2015 als meine Zeitreise zurück ins „Dunkle Zeitalter“ – das Mittelalter – begann. Dazu begab ich mich mit einem motorisierten ‚Stinkross‘ auf den Weg zum Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS), das an dem Wochenende vor den Toren Hamburgs, im Öjendorfer Park, stattfand. Nach dem ‚Wegezoll‘  betrat ich das hochgelobte, größte reisende Mittelalter Kultur Festival der Welt, tauchte in eine längst vergangene Zeit ein und fühlte mich augenblicklich ins Mittelalter anno 1250 zurück versetzt.

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 „Sei was Du willst!“

Ermutigt vom  Motto: „Sei was Du willst!“ des MPS-Veranstalters Gisbert Hiller, bin ich nun, was ich schon immer sein wollte: Einmal als kurvige Elfe mit Leichtigkeit wie vom Winde verweht über die saftigen Wiesen schweben und in eine zurückliegende Zeit abheben. Zuvor schlüpfte ich in mein anmutiges, bodenlanges Gewand, gleich einer holden Fee, mit wehenden Ärmeln so zart und lang und träume nun davon, als Burgfräulein von einem gar heldenhaften Ritter hoch zu edlem Ross erobert zu werden. Doch hier am Eingang ist er noch nicht zu sehen, mal schauen, ob meine Äugelein ihn anderorts erspähen. Frohen Mutes wandele ich über grüne Grasflächen und hoffe inständig, dass ich mich mit meiner Vorfreude nicht auf einen holperigen Holzweg zu bewege.

„Seyed gegrüßt und tretet ein“
Für einen Tag als holdes Burgfräulein in wehendem Gewand ins Mittelalter schweben...

Für einen Tag als holdes Burgfräulein in wehendem Gewand ins Mittelalter schweben…

Soweit das Auge reicht, empfängt mich zu Hauf ein Heerlager aus offenen Zelten. Auf meinem Wege durch das Lager begegnen mir holde Maiden, gehüllt in Gewändern aus ‚Tuchwolle vom Baume‘  so natürlich und so leicht, Landknechte in derben, dunklen Kapuzenkutten sowie Edelmänner, gekleidet in warmen Wämsern und Waffenröcken. Doch weit und breit ist noch immer kein gepanzerter Ritter zu erblicken.

Manche ‚Weibsbilder‘ oder ‚Recken‘  ziehen gar ihre ‚Kindelein‘ in einem ‚neumodischen Streitwagen‘ hinter sich her und trällern ein Liedlein für die plärrenden Kleinen. Während ich umherwandele schicken derweil einige Burschen und Mägde einen ‚magischen Diener‘ mit ihrem ‚magisch sprechenden Knochen‘ auf die Reise. (Neumodisch ausgedrückt: sie verschicken eine SMS mit ihrem Handy.)

Das ‚gewöhnliche Volk‘  führt auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS), ein einfaches Leben ohne Strom, fließendem Wasser und Internet.  Die einzelnen Heerlagergruppen setzen sich aus  Leuten zusammen, die in der Woche einen Vollzeitjob ausüben, eine Familie ernähren, zur Schule gehen oder studieren.

„Schauet nur: Handwerk hat güldenen Boden“    
Handwerk hat güldenen Boden: Pfeifenschitzer auf dem MPS Spectaculum

Handwerk hat güldenen Boden: Pfeifenschitzer auf dem MPS Spectaculum

Zwischen den vielen Zelten sind immer wieder auch kleinere Handwerksstände zu finden. Vom Bogenbauer, der aus verschiedensten Hölzern Bögen auf Kundenwunsch fertigt und die in ihrer Langlebigkeit, Kraft und Spannkraft ihres Gleiches suchen. Oder dem Flötenbauer, welcher ganz simplen Holzstücken so liebliche Töne entlocken kann; bis zum Zieselierer, der unermüdlich mit seinem kleinen Hämmerchen Gravuren in allerlei Metall treibt. Hier auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) ist eine Vielzahl an Handwerkkunst zu entdecken. Auch edelstes Geschmeide, oder vortreffliche Gewandungen für die ‚Hochwohlgeborenen‘  werden von Meisterhand gefertigt und gegen ‚Silberlinge‘ zum Erwerb feilgeboten.

Ich lasse mich weiter von einem Stand zum anderen treiben und inspirieren, als mir aus der Ferne rhythmische Klänge von Spielleuten an meine Ohren dringen. Neugierig geworden den Gesängen zu lauschen, zieht es mich dorthin.

„Lauschet dem Tuten und Blasen der Trubadure“
Impressionen vom MPS Spectaculum in Hamburg Öjendorf

Munteres Treiben mit Gesang und allem Drum und Dran auf dem MPS Spectaculum

Ich vernehme Töne von Flöten, Sackpfeifen, Fideln, Lauten, Schalmeyen und Trommeln und trete näher an die aufgebauten Stätten des Geschehens, die Bühnen, heran.

Zartbesaitete Minnesänger würden sich bei der lauten ‚Musizi der Trubadure‘, die ihnen heuer in die Gehörgänge schallen, gar fürchterlich erschrecken. Denn die Bardenlieder der Musicusse von „Saltatio Mortis“, „Celtica Pipe Rock“, „Versengold“ oder „Metusa“ heizen dem ‚gemeinen Volke‘  mit fetzigem Mittelalterrock-Getöse auf dem MPS gar ordentlich ein und lassen dabei weder schmusige Musenklänge noch eisige Kälte aufkommen. Im Gegenteil:
Aus voller Kehle grölend, als ob sie gar gleich geteert und gefedert würden, mit Feuer speienden Einlagen und dem Schalk im Nacken, untermalen sie  ihre musikalischen Darbietungen. Als Anerkennung bekommen die ‚Narren‘ dafür vom Gesinde jede Menge lautes ‚Handgeklapper‘.

Sowohl das Umherwandeln in meiner langen Feen-Gewandung als auch das Mittanzen und ‚Mitklappern‘ machen mich langsam hungrig und durstig.

„Gedeihliche Esslust“
Ein Tag auf dem MPS Spectaculum macht durstig

Ein Tag auf dem MPS Spectaculum macht hungrig und durstig

Ein zarter Hauch von knusprig Gebratenem zieht in meine Nasenflügel und ich merke, dass ich Appetit bekomme.  An dieser Stätte muss keine Kehle verdorren und kein Magen Hunger leiden. Also: “Kredenzet Speis‘ und Trank!“ Wie wär’s mit einem Humpen von Gerstensaft, oder einem Füllhorn voll ‚Met‘? Nach Bier dürstet meine Kehle momentan nicht. Mir gelüstet eher nach einem Gelage aus Flüssigsaft wie ‚Weinbeerblut‘, einem trockenen Rotwein, oder auch nach ‚Drachenblut‘, einer Mischung aus Honigwein und Kirschsaft. Dazu werde ich mich mit einem ‚köstlichen Fleischlappen‘ (Steak) oder wahlweise mit ‚in Darm gepresstem Fleisch‘ (Wurst) erquicken. Mal sehen, wieviel Taler ich dafür berappen muss.

Nachdem das ‚Drachenbräu‘ in Strömen geflossen ist und ich mit allerlei Mahl‘ gut gelabt bin, können nun die Spiele beginnen!

Lasset die Lanze brechen
Lasset die Lanze brechen!

Lasset die Lanze brechen!

Von weitem erklingen Fanfarentöne und kündigen das bevorstehende Ritterturnier an. Meine Stunde als vermeintliches Burgfräulein scheint nun endlich geschlagen zu haben. Mein Herz hüpft vor Freude und mein Antlitz färbt sich vor Aufregung gar rosarot.

Sie kämpften gegen Drachen und Bösewichte und eroberten die Herzen der Hofdamen. Sie sind auch in der heutigen Wahrnehmung immer noch halb Mensch – halb Mythos: die ehrenhaften und unerschrockenen  Ritter. Damals, als Männer zum scharfen Schwert griffen, um Aug‘ um Auge, Zahn um Zahn, ihr Hab und Gut und ihr Volk mit all ihrem Mut und kämpferischem Geschick vor der feindlichen Außenwelt zu verteidigen.  Sie zeichneten sich im Mittelalter durch Tugend, Tapferkeit und Tatendrang aus und waren die wahren Helden aus Eisen.

Heutige Helden sind im flauschigen Flanellhemd mit Schlagbohrer gerüstet und mit Schraubenzieher gewappnet. Es wird mit geballter Muskelkraft gebohrt, gedübelt und gedreht was die spitzen Schrauben der Sicherheitsschlösser hergeben, um die eigenen vier Wände wie eine Festung vor fremden Eindringlingen zu schützen – damit auch heutzutage in der eigenen Burg weiterhin der Burgfriede herrscht.

Nun ist die Zeit hier auf der großen MPS-Arena wahrhaftig gekommen, um das Können der Kreuzritter zu bewundern. Alles ist bereit und erwartet das große Schwert- und Lanzenduell der Eisenmänner. Gezeigt werden Geschicklichkeitswettbewerbe auf höchstem Niveau, bei denen es darauf ankommt, die eigene Lanze am Schild des anderen Ritters zu zerbrechen oder ihn aus dem Sattel zu werfen.

Mein Herz frohlockt als meine blauen Äugelein gleich gar vier Ritter der Tafelrunde in Metallrüstung auf ihren edlen Rössern auf mich zureiten sehen. Bis auf die Zähne bewaffnet und mit eisernem Visier, das nur einen winzigen Sehschlitz erlaubt, kann ich kaum erkennen, welcher Ehrenmann sich dahinter verbirgt. Sind es wohl Sir Lancelot, Sir  Parceval, Sir Tristram und Sir Kay? Oder doch Sir Galahad, oder Sir Gawain, oder…? Welch‘ ‚Ungemach‘, dass ich meine ‚Sichteisen‘ (Brille) im trauten Heim vergessen hab‘.

„Jetzt oder nie, das ist mein Einsatz“, denke ich voller Vorfreude und bringe mich mit meiner Fotoausrüstung in Pole-Position, um ein gestochen-scharfes Profi-Foto als Beweismittel für das Internet festzuhalten. Endlich werde ich einem Edelmann ganz nahe und seine Auserkorene sein! Hat gar ein wackerer Ritter bereits durch seinen gepanzerten Helm ein Argusauge auf mich geworfen? Doch was dann!

Edler Ritter beim Kampf auf dem MPS Spectaculum

Edler Ritter beim Kampf auf dem MPS Spectaculum

Ich weiß gar nicht wie meinem entflammten Herze geschah. Gerade als mir gewahr wurde, dass mich die vier Männer aus Stahl erblickten, galoppierten sie, wie von grollender Hexenhand getrieben, an mir vorbei. Ein Blitz der Erleuchtung durchfuhr  sowohl mich als auch meinen Fotoapparat: Haltet ein! Wohin führen ihre Ritte! Erschraken die holden Helden gar meines Antlitzes? Nein, welch‘ Pein – das konnte nicht sein! Es muss mein ‚magischer Seelenfänger‘ gewesen sein, als ich gerade auf den Auslöser drückte, um ein ‚gar leuchtendes Bildlein für alle Ewigkeit‘  zu erstellen! Glaubten die eisernen Ritter womöglich an den blitzenden Fingerzeig eines donnernden Zauberweibs? Dann wäre es gar trefflich ein zu heißes Eisen für sie geworden, wenn sie in der eigenen Rüstung verschmoren…

Aus die ‚Mär‘  vom Dornröschentraum. Was übrig blieb war eine gewaltige Staubwolke vom gestreckten Galopp der anscheinend abergläubischen Stahlkrieger. Was mir jetzt nur bleibt, ist die Hoffnung auf einen schraubendrehenden Helden der Neuzeit, der vielleicht irgendwann über meine Türschwelle tritt, ritterlich das Sicherheitsschloss repariert und somit auch meine heimische Festung sichert.

„Gehabt Euch wohl und guten Weg“
Ein Regendächlein als Schutz vor flüssig Sonnenschein

Ein Regendächlein als Schutz vor flüssig Sonnenschein

Aus meinem Tagtraum erwacht und in der Realität angekommen, begebe ich mich zum Ausgang. Mittlerweile nieselt es etwas  im weitläufigen Öjendorfer Park. Ringsum brennen Holzscheite und spenden Wärme gegen die aufkommende Kälte. Als sodann etwas ‚flüssig Sonnenschein vom Himmel fällt‘, wurden geschwind die ‚Regendächlein aufgespannt‘‚ oder die Kapuzen der Kutten über das Haupt gezogen. Doch das konnte der stimmungsvollen und zeitvergessenden Atmosphäre, die sich im gesamten MPS-Heerlager ausgebreitet hatte, nichts anhaben.

Meine Zeitreise bringt mich nun vom Mittelalter wieder zurück ins moderne 21. Jahrhundert. Auf meiner Rückfahrt ‚im Wagen, der von unsichtbaren Pferden gezogen wurde‘, schwirrten mir die Erlebnisse des zurückliegenden Tages durch den Kopf und hinterließen nachhaltige Eindrücke, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Vielleicht  wird mich irgendwann eine weitere Reise wieder zum MPS, Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, in den Park von Hamburg-Öjendorf führen und mich erneut ins „Dunkle Zeitalter“ entführen. Dann sind der Fantasie abermals keine Grenzen gesetzt, wenn sie wieder mit mir durchbrennt.

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Fotos + Text: Copyright© Gudrun Krüger

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